Zusammenfassung
Dieser Kurs beschäftigt sich mit der schematherapeutischen Perspektive im Kontext von Neurodiversität. Im Zentrum steht ein affirmativer Zugang, der neurodivergente Wahrnehmungs-, Denk- und Verarbeitungsweisen als legitime Variationen menschlicher Erfahrung versteht.
Neurodiversität umfasst eine breite Vielfalt neuroentwicklungsbedingter Ausprägungen, die sich unter anderem in Bereichen wie Aufmerksamkeit, sozialer Kognition, Reizverarbeitung, Emotionsregulation und Informationsverarbeitung zeigen können. In einer überwiegend neurotypisch strukturierten Umwelt entstehen dabei häufig spezifische Anpassungsleistungen, Missverständnisse und Belastungen, die über die Lebensspanne hinweg zu erhöhtem Stress, psychosozialen Schwierigkeiten und einem verminderten Selbstwert beitragen können.
Aus schematherapeutischer Perspektive stellt sich die Frage, wie sich diese langfristigen Erfahrungen in stabilen Mustern und Modi organisieren und wie diese im therapeutischen Prozess verstanden und begleitet werden können. Ein zentraler Fokus liegt auf der Entwicklung einer affirmativen therapeutischen Haltung, die sowohl begrenzende als auch validierende Elemente integriert.
Der Kurs verbindet konzeptuelle Impulse mit praxisnaher Anwendung. Im ersten Teil steht das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen neurodivergenten Verarbeitungsweisen und schematherapeutischen Mustern im Vordergrund. Im zweiten Teil werden Interventionen anhand von Fallvignetten und Rollenspielen vertieft. Zudem besteht die Möglichkeit, eigene klinische Erfahrungen einzubringen und gemeinsam zu reflektieren.
Ziele
- Neurodiversität als theoretischen Rahmen für schematherapeutisches Arbeiten verstehen
- Entwicklung und Funktion von Schemata und Modi im Kontext neurodivergenter Erfahrungen reflektieren
- Neurodiversitätssensible und affirmative therapeutische Haltungen und Interventionen entwickeln und anwenden
Literatur
- Bullus, E. K. (2019). Modified schema therapy as a needs based for complex comorbidities in adults with autism spectrum conditions. Australian Clinical Psychologist, 1–7.
- Corbisiero, S. et al. (2016). Emotional dysregulation in adults with attention-deficit/hyperactivity disorder – Validity, predictability, severity, and comorbidity. Journal of Clinical Psychology, 73, 99–112.
- Corbisiero, S. et al. (2018). A comparison of cognitive-behavioral therapy and pharmacotherapy vs. pharmacotherapy alone in adults with attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) – A randomized controlled trial. Frontiers in Psychiatry, 9, Article 571.